05.08.2010
12.8.10 Bundespressekonferenz: Borreliose – die unterschätzte Zeckeninfektion
Pressekonferenz
am 12. August 2010, Berlin, 11.00 bis 13.00 Uhr
Tagungszentrum der Bundespressekonferenz, Raum IV
Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin
Borreliose – die unterschätzte Zeckeninfektion
Video Einladung und Programm:
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Presse und Gesundheitspolitik
Pressemitteilung März 2010
08.03.2010
Zecken – ab 8° C werden sie aktiv
Impfung schützt nicht vor Borreliose
Borreliose – politisch verharmlost?
Warum mauert Minister Rösler?
Wie schützt man sich vor Zecken?
Warum gibt es keine generelle Meldepflicht?
Reinheim, 08. März 2010
Zecken haben keinen Kalender in sich aber einen Temperaturfühler. Über 8° Celsius erwachen sie aus ihrer Kältestarre unter Blättern und Pflanzenteilen und erklimmen Gräser und Zweige, um einen Wirt für eine Blutmahlzeit zu orten. Beim Saugen an Mensch und Tier übertragen sie Erreger, die sie zuvor durch Saugen an Mäusen und Ratten übernommen haben, unter anderem Borrelien, Rickettsien, Ehrlichen, Babesien und auch FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)-Viren.
Zecken sind flächendeckend auf der nördlichen Erdkugel verbreitet. FSME-Viren kommen in Deutschland nur in fest umrissenen Gebieten in vielen Teilen Bayerns und Baden-Württembergs, in einzelnen Gebieten Hessens, Thüringens, Sachsens und Rheinland-Pfalz vor. 2009 zählte das Robert Koch-Institut 314 FSME-Infektionen, eine bereits in diesem Jahr. Dagegen kann man sich impfen lassen. Zecken mit Borrelien und anderen Erregern hingegen, sind überall anzutreffen. Um sich vor ihnen zu schützen, hilft einzig abendliches Absuchen und sofortiges Entfernen. Sich auf Zeckenabwehrmittel oder hautbedeckende Kleidung allein zu verlassen, sei fahrlässig, warnt die Patientenorganisation Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. (BFBD).
Symptome
Am häufigsten äußert sich die Infektion mit einem schmerzhaften Knie, mit Gelenkschwellungen, fast immer mit übergroßer Müdigkeit, Schlappheit, mit Konzentrationsdefiziten hin bis zu schweren Wortfindungsstörungen, mit Panikattacken und depressiver Verstimmung. Der Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. (BFBD) warnt: Schnell wird am Knie und Karpaltunnel operiert; ohne Effekt, wenn dahinter eine Borrelieninfektion steckt. Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen quälen die Mensche oft Jahre lang, bis die wahre Ursache heraus kommt. Viele landen mit Diagnosen wie Arthritis, Multiple Sklerose, Fibromyalgie und Rheuma in Spezialkliniken. Der häufigste und grausamste Verdacht der Diagnostiker zielt jedoch auf ein Psychosomatisches Geschehen. Auf Deutsch: „Da ist nichts zu therapieren. Das ist alles nur psychisch“ Jedes Jahr töten sich Borreliosepatienten, weil sie dieses Stigma nicht aushalten.
Unzuverlässige Labortests
Unwissen und Falschwissen verhindern die rechtzeitige Diagnose. Das angebliche Leitmotiv, die Wanderröte, zeigt sich nur bei der Hälfte der Infizierten. Sie ist auch nicht immer kreisrund oder ein Ring, Es kann auch ein Stern oder ein Balken sein. Auf die Laborttests ist kein Verlass. Die etwa 30 verschiedenen Testkits sind nicht standardisiert. Man kann in einem Labor positiv und im anderen negativ sein. Außerdem wird das Blut meistens zu früh untersucht, wenn sich noch gar keine Antikörper entwickelt haben. Mit dieser falschen Entscheidung fliegen neuerdings Ärzte durch die Prüfung, wenn sie bei einer Wanderröte nicht unverzüglich mit der Therapie beginnen.
Hoffnung auf Heilung?
Je früher die Therapie einsetzt, umso realistischer darf man auf Heilung hoffen. Bleibt das Frühstadium unentdeckt, steigt das Risiko, dass die Infektion in ein chronisches Stadium mit schweren Spätfolgen übergeht. Das schubweise Auf- und Abschwellen der Symptome auch ohne Behandlung irritiert zusätzlich. Die Vielfalt der Symptome wird nur von wenigen Ärzten als Symptomenkomplex einer Borreliose erkannt. Der Rest der Patienten beschäftigt Neurologen, Hautärzte, Kardiologen, Orthopäden, Augenärzte, Internisten, Homöopathen und Heilpraktiker.
Versagt die Gesundheitspolitik?
Schwere Vorwürfe erhebt der BFBD gegen deutsche Gesundheitspolitiker. Obwohl durch Erhebungen der Gesetzlichen Krankenkassen wie AOK, DAK, Barmer und Techniker Krankenkasse (TK) ein alarmierender Anstieg von Neuinfektionen in 2008 auf fast eine Million Betroffener nach dem ICD-10 A69.2 ((International Classification of Disease) zu ermitteln sei, stecke selbst Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler, von Beruf Arzt, den Kopf in den Sand. Er hege keine Zweifel an dem ihm unterstellten Nationalen Referenzzentrum Borrelien (NRZ), das die meisten Borreliosepatienten als psychisch krank und an “Internet-Borreliose“ (Beschwerden im Internet angelesen) leidend bezeichnet. Das NRZ hingegen verbreitet noch immer Zahlenvorstellungen von 40.000 bis 80.000 Borreliose-Neuinfektionen pro Jahr, die auf eine Untersuchung aus dem Jahr 1999 zurück zu führen sind.
Meldepflicht in Europa – Deutschland reagiert nicht
Der Europäischen Gesundheits-Kommission sei die Verharmlosung der Borreliose in nahezu allen europäischen Ländern bekannt, berichtet der BFBD von einem Besuch bei Kabinettsmitglied Eduardo Fernandez-Zincke, Brüssel. Noch in diesem Jahr beginne ein europaweites Borreliose-Projekt, mit dem das wahre Ausmaß der Infektion, ihrer Symptome und Folgen definiert werde. Obwohl die EU im November 2003 mit Richtlinie 2003/099/EG erneut festlegte, dass Zoonosen und Zoonosen-Erregern jährlich als Bewertung der aktuellen Lage erfasst werden sollen, hat Deutschland außer seinen Zahlen aus 1999 keine Meldungen mehr abgegeben. Grund: Es gibt keine.Außer in den neuen Bundesländern gibt es offiziell keine Meldepflicht. Die alten Bundesländer reagieren nicht auf die Forderungen der Patientenverbände.
Die Leid Tragenden dieser bewussten Verharmlosung sind die Patienten, die mangels medizinischem Wissen keine oder falsche Diagnosen erhalten. Die Deutsche Borreliose Gesellschaft e.V., eine ärztliche Fachgesellschaft, schätzt mehrere Millionen chronischer Borreliosepatienten in Deutschland, die nur deshalb chronisch krank sind, weil die frühzeitige Diagnose und Therapie versäumt wurden.
Nutznießer der Chronifizierung
Nutznießer dieser Chronifizierung ist die Pharmaindustrie. Der Gewinn bei Antibiotika für eine ursächliche Behandlung ist durch den ausgelaufenen Patentschutz uninteressant. Hingegen kann die Pharmaindustrie mit Medikamenten gegen Fehldiagnosen der Borreliose – zum Beispiel Multiple Sklerose, Depression, Fibromyalgie – ein Vielfaches mehr verdienen. Auch den Ärzten sind bei diesen Diagnosen kaum die Hände gebunden, hochpreisige Medikamente zu verordnen. Hingegen reagieren die Kassenärztlichen Vereinigungen mit Regressdrohungen, wenn Ärzte mehrere Behandlungszyklen mit Antibiotika durchführen, obwohl diese Medikamente vergleichsweise preiswert sind.
Multiple Sklerose und Depression sind außerdem im Gesundheitsfonds enthalten. Krankenkassen erhalten für Versicherte mit diesen Diagnosen einen finanziellen Zuschlag vom Bund. BFBD-Sprecherin Ute Fischer: Das mag dazu verführen, mit voller Absicht und auch aus Zeitmangel und Fehldiagnosen zu stellen.
Wie schützt man sich vor Zeckenstichen?
Zecken lauern an Gräsern und Büschen. Solange man auf dem Weg bleibt und Berührungen mit Grünbewuchs vermeidet, kann auch keine Zecke andocken. Liegewiesen, Spielplätze und den privaten Garten testet man mit einem weißen Frottierhandtuch. Anwesende Zecken bleiben daran hängen.
Zeckenabwehrmittel nützen meist nur die Hälfte der angegebenen Zeit (Stiftung Warentest), sie verführen aber dazu, sich ausschließlich auf deren Wirkung zu verlassen.
Am sichersten ist es, sich und die Kleidung nach jedem Aufenthalt im Grünen gründlich abzusuchen. Zecken überleben in abgelegter Kleidung bis zu drei Tagen. Auch einen 60°C-Waschgang überleben sie. Sinnvoller ist eine heiße Runde im Trockner.
Zecken entfernt man am besten mit einer spitzen Pinzette, die den Stechapparat unter dem Zeckenleib erfasst und herauszieht, ohne ihn zu quetschen. Unterwegs hilft auch eine Zeckenkarte, eine Fadenschlinge oder ein Taschenmesser, mit dem der Stechapparat des Quälgeistes abgeschnitten wird. Zecken haben weder einen Kopf noch ein Gewinde. Auf Mittel wie Öl, Klebstoff, Nagellack sollte man verzichten. Sie reizen die Zecke besonders, die krank machenden Erreger in die Stichwunde zu erbrechen.
Borreliose-Selbsthilfe
Rund 100 Borreliose-Selbsthilfegruppen in Deutschland versuchen das Wissensmanko auszugleichen, das Ärzte nicht leisten können, weil bis 2003 weder Infektionskrankheiten noch Borreliose in der Arztausbildung geleert wurde. Erst durch AIDS und Hepatitis erwachte der Medizinische Lehrbetrieb aus dem Dornröschenschlaf, in den er seit der Ausrottung der Pocken gefallen war.
Die größte Borreliose-Selbsthilfegruppe arbeitet virtuell als Internetforum (www.borrelioseforum.de) in dem mehr als 15.000 Besucher registriert sind. Täglich werden durchschnittlich 50.000 Seiten von 1.700 Besuchern aufgerufen. Diese Zahlen versinnbildlichen das wahre Ausmaß der Borreliose in Deutschland.
Die BFBD-Patientenorganisation zählt über 1000 Mitglieder und ist nach den Niederlanden (1600 Mitglieder) die zweitgrößte nationale Vereinigung in Europa. Darüber hinaus gibt es Patienteninitiativen in Dänemark, Groß-Britannien, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz, Slowenien, Slowakei und Tschechien.
Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V.
Tel.06162-969443
Verfasserin: Ute Fischer, Vorsitzende
weitere Quelle:
Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V.
Tel. 02205-90106-85
Hinweis: RKI, NRZ und BMG werden versuchen, diese Pressemitteilung zu boykottieren und ihren Inhalt zu bagatellisieren. Auf Anfrage liefern wir Quellen und Beweise über die Ungeheuerlichkeit dieser Verhamlosung.
Ute Fischer